Der Abholtermin war seit langem festgelegt und so konnte ich über Wochen eine Kerze für gutes Wetter anzünden und - es hatte sich gelohnt. Nach tagelangem Regen sollte für das kurze Zeitfenster eines Wochenendes die Sonne erscheinen und Sommer spielen.
Also rauf auf die Africa Twin und nach Rosbach vor der Höhe zur Triumph Deutschland Zentrale. Was für ein Wetter - 25 Grad, Sonne, blauer Himmel - und die Freude auf ein wunderschönes Testmotorrad.
Bei Triumph angekommen, wurde mir gleich das Testfahrzeug – wie gewohnt nett und unkompliziert – übergeben. Da stand sie nun, die Bonneville SE und ich konnten endlich aufsitzen, Starter drücken und losfahren. Also runter von der Africa Twin und rauf auf die Bonneville. Plumps – ich hatte nicht damit gerechnet quasi auf der Straße zu landen… tja so war das wohl Anfang der 80ziger und als Hommage an diese Zeit ist die SE mit Ihren Gussrädern wohl gedacht. Ich bin in den 80zigern auch schon Motorrad gefahren, kann mich aber an derartig niedrige Sitzhöhen nicht erinnert – aber ich war ja auch jung, viel kleiner und hatte gerade meinen Führerschein.
Trotzdem passte das Motorrad und ich drückte auf den Startknopf und hörte den braven Zweizylinder brabbeln – sehr unaufdringlich. Losfahren und wohlfühlen, so muss man den ersten Fahreindruck beschreiben.
Unglaublich handlich, das Gas super dosierbar, ohne Lastwechselreaktionen ließ sich die immerhin 220kg schwere Bonneville vom Hof bewegen. Klasse.
Der freundliche Trimuphmitarbeiter sagte mir schon im Vorfeld, dass die Bonneville auch perfekt für Fahranfänger ist, so gutmütig, wie sie ist.
Recht hatte er, zumindest bezüglich der Fahreigenschaften. Was den Anschaffungspreis von 8.790 EUR für das Motorrad angeht, sollte der Fahranfänger schon im reiferen Alter sein.
Zunächst ging es wieder auf die Autobahn ein Stückchen die A5 Richtung Süden, um Frankfurt und Darmstadt schnell links liegen zu lassen.
Endlich mal wieder ein Motorrad ohne jegliche Verkleidung zu fahren war ungewohnt, ließ sich aber bestens bewerkstelligen – bis 140km/h auch ohne Gefahr, vom Fahrtwind einfach weggeblasen zu werden. Ein tolles Gefühl, leiser als mit Verkleidung und unmittelbarer – wie früher…
Der Motor der Bonneville ist zahm und gleichzeitig druckvoll, man spürt den ordentlichen Vortrieb durch knapp 70 PS aus zwei Zylindern mit 900cm² kaum.
Nach ein paar Kilometern ging es endlich runter von der Autobahn und rein in den schönen Odenwald mit zahlreichen, kurvigen Sträßchen.
Hier setzte sich der Spaß nicht nur fort, sondern erreichte beim Kurvenkratzen neue Höhepunkte. Das Fahrwerk der Bonneville überzeugt in allen Lagen, keinerlei Überraschungen in schwierigen Situationen. Genial, rein in die Kurve und am Kurvenausgang ordentlich Gas geben!
Und alles so leichtgängig. Im Gegensatz zum Vortestmotorrad Thunderbird packen die Bremsen leicht und direkt. Gas, Schaltung, alles bestens zu bedienen.
Übrigens, ein Hingucker ist das Motorrad natürlich auch… wer an der roten Ampel steht, spürt die Blicke auf dem Motorrad haften. In diesem Moment träumt man von einer offenen Auspuffanlage.
Apropos Aussehen: schön sieht auch der Vergaser aus und es fällt auch niemanden auf, dass es eine Keihin Einspritzanlage im Vergasergewand ist.
Die Tour mit der Bonneville ging dann durch den Odenwald Richtung Heidelberg auf einen Campingplatz, wo Freund Bernd schon wartete. Ich stellte die Bonneville neben seine Transalp und der Kommentar: Ganz schön klein… aber schön!
Am nächsten Tag ging es dann in den Nordschwarzwald mit Fotosessions auf der Wiese – für die Bonneville kein Problem – dieses Motorrad hat man selbst auf diesem Untergrund im Griff. Nach dem Besuch im Unimog-Museum in Gaggenau (sehr empfehlenswert) ging es noch mal in den Schwarzwald und dann zurück nach Rossbach.
Fazit: Ich bin von der Bonneville begeistert. Fahrwerk genial, Motor elastisch und druckvoll und über das Erscheinungsbild müssen wir nicht schreiben. Einziger Kritikpunkt: der Tankdeckel ist nicht abschließbar.
Mit diesem „Naked-Bike“ ist es ein Genuss zu verreisen. Nur mit Tankrucksack und Gepäckrolle – ohne Stress - so wie früher eben!